AQUARIUS LIVING - LÖSUNGEN FÜR MENSCHENWÜRDIGES WOHNEN WELTWEIT 1/2

Classy Dubai widmet sich mit Hingabe dem Thema Architektur und Wohnen. Häuser und Wohnungen sind doch nicht einfach eine Sache der Lebensweise. Sie berühren, ja formen unsere grundlegenden Bedürfnisse nach Wohlfühlen, Geborgenheit und Sicherheit. Sie formen unsere Persönlichkeit. Heinrich Zille schrieb einst, man könne einen Menschen mit einer Wohnung erschlagen. Johann Gottfried Herder stellte schon im 18. Jahrhundert fest: „Wie Menschen denken und leben, so bauen und wohnen sie.“

Über Wohnen als Leben wird heutzutage viel nachgedacht und geschrieben – dachte ich. Doch wohin man schaut und recherchiert, werden Gebäude banal und phantasielos als Strukturen betrachtet über deren technische Parameter, Preise und Energieeffizienz parliert wird. „Im Vordergrund steht der Mensch.“ wird ersetzt durch „Im Mittelpunkt steht die Zahl.“. Medial und gesellschaftlich, scheint uns, ist es wichtiger wie sich Unterkünfte zu Normen und Kosten verhalten als zum Menschen - der darin leben soll. Weltweit fehlt sogar Wohnraum ganz für 100 Millionen Menschen. 1,5 Milliarden Menschen, also rund 20% der Menschheit, haben laut UN keine adäquaten Wohnverhältnisse. Und die Bevölkerung wächst weiter. Kann man diesen gordischen Knoten überhaupt – brachial oder durch Geist - lösen?

 

Classy Dubai unterhielt sich darüber mit Matthias Ditsch, dem Visionär, der unsere Aufmerksamkeit durch seine Gedanken zum Umgang mit der Natur gewann. Ein Mann der Großes ansteuert.

 

Kann man das „Housing Problem“ lösen?

Erst einmal Ja, auf jeden Fall! Es braucht nur die Bereitschaft neu, anders, kreativ zu denken und zu handeln sowohl auf politischer als auch auf unternehmerischer Ebene.

 

Welchen Lösungsansatz verfolgen Sie?

Immobilien, sind Orte für Menschen um dort zu leben, Schutz und Geborgenheit zu geben, Privatsphäre, aber auch Orte der Begegnung, der Aktivität. Deswegen sind Gebäude:

 

1. Ein Grundbedürfnis, die dritte Haut, es gibt eine hohe Bereitschaft der Menschen etwas dafür zu tun, um ein schönes Zuhause zu haben. Leider sind viele Menschen aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage so ein Zuhause zu schaffen. Aus finanziellen Gründen oder weil Ihnen das Wissen fehlt oder der Zugang zu Ressourcen.

 

2. Gebäude sind komplex und erfordern viel Wissen und Fähigkeiten, wenn es mehr als eine Wellblechhütte werden soll. Es bedarf der Unterstützung von Experten, damit das Engagement in die richtigen Bahnen gelenkt werden kann. Mit langfristigen und nachhaltigen Konzepten ist es möglich, große Werte geschaffen, die dann auch gerecht verteilt werden können. Schon heute ist der Immobilienmarkt mit 214 Billionen Dollar der größte Vermögenswert der Welt.

 

3. Wohl organisiert bietet dieser riesige Wachstumsmarkt immense Chancen für viele, lebenswerte Orte, Städte entstehen zu lassen - in denen die Menschen leben und arbeiten können. Jeder Mensch, dessen Grundbedürfnisse gedeckt sind, wird seine freigewordene Lebensenergie in irgendeiner Form an die Gemeinschaft zurückgeben, prosperierende friedliche Volkswirtschaften entstehen. Man sieht das an den intakten gelungenen Regionen dieser Welt.

 

Was läuft derzeit schief?

2 - 3 Milliarden Menschen wurden irgendwie vergessen bei der Globalisierung. Nur die Fittesten, Stärksten haben heute ein angemessenes Zuhause und die wenigsten ein wirklich menschenwürdiges Dasein. Sieht das niemand? Oder ist es egal? Selbst in den reichsten Regionen der Welt ist der Konkurrenzkampf um angemessenes Wohnen entbrannt (siehe Berlin). Auch dort scheint sich ein Ungleichgewicht immer mehr auszubreiten. Nämlich die - ich nenne es die finanz-fixierte - Gesellschaftsordnung, die oben und unten weiter zementiert und mehr und mehr Teile der Gesellschaft die Luft zum Atmen nimmt. Finanzmaximierung durchzieht alle Lebensbereiche. Nur die Intelligentesten, Schnellsten, Skrupellosesten sind die Gewinner. Viele bleiben im Nichts stecken und können ihr Leben nicht gestalten.

Da liegt das Problem. Es wird nicht gesamt-systemisch, holistisch gedacht, sondern nur nach dem maximalen, oft sehr kurzfristigen Profit für eine kleine Gruppe der Beteiligten (Developer, Besitzer, Geldgeber) geplant, die möglichst schnell bauen und als „Luxusapartments“ teuer verkaufen - meist am Bedarf vorbei.

 

Da leben Familien mit zwei Kindern in viel zu teuren 2 Zimmer Stadtwohnungen, weil sie sich nicht mehr leisten können, oder Singles in Microapparments, die eher für deren Meerschweinchen genügend Platz zum Leben bieten. Viele alte Menschen leben dagegen vereinsamt in 5 Zimmer Altbauwohnungen, weil die Kinder längst ausgezogen sind. Wenn Sie dann ins Altersheim gehen, wird sofort luxussaniert und in drei Wohnung aufgeteilt. Damit lassen sich dann viel höhere Preise erzielen.

 

Als Spitze der Fehlentwicklungen spekulieren dann Superreiche mit - am besten unbewohnten - Superluxus-Apartments weltweit, einzig im Interesse der Wertsteigerung. Mit Erfolg! Die schönsten Häuser und Appartement der Welt stehen die meiste Zeit leer, weil deren Besitzer 5 oder mehr davon haben.

 

In der Natur und auf dem Land veröden eigentlich lebenswerte schöne Dörfer, da dort alle Infrastruktur kaputt gespart wurde (Geschäfte, Kneipen, Freibäder, Kinos, u.a. alles wird dicht gemacht), weil die Landkreise falsch strukturiert und schlecht verwaltet werden und zu wenig zukunftsorientiert sind und die Trends von Homeoffice and Coworking verschlafen haben. 

 

Diese beschriebenen Fehlentwicklungen führen dazu, dass zwar die Bautätigkeit boomt, das Geschäft brummt, aber eben oft am falschen Ort, mit dem falschen Konzept oder in Form von lieblosen Trabantenstädten. Für wen eigentlich? Zum Menschen passt das jedenfalls nicht.

 

Gibt es denn realistische Auswege?

Es gibt viele Potenziale und Konzepte, die Städte zu entlasten und Menschen in stressfreier Umgebung Lebensperspektiven zu schaffen. Die Vernetzung von Stadt und Land zu „Integrierten Regionen“ schafft Perspektiven und Volumina für großzügig und menschenfreundlich, phantasievolle Lebensräume.

 

Viele Städte sind heute verkrampft, zu teuer, zu laut und bieten nur in wenig Freizeitzonen, wirkliche Lebensräume. Und die Städte, die gefragt sind, sind zu teuer und bereits am Limit ihres Wachstums. Es gibt noch mehr als 2 Milliarden Menschen die so gut wie gar nichts haben, was man Wohnen nennen kann, nicht einmal Zugang zu sauberen Wasser oder Toiletten.

 

Ich schlage aus diesem Grund eine Initiative für das Recht auf menschliches Wohnen vor; in der Kombination mit fördern und fordern. Jeder Mensch soll, einem bedingungslosen Grundeinkommens ähnlich, die Möglichkeit eines menschenwürdigen Wohnens bekommen.  

 

Kann man konkret bestimmen was das bedeutet?

Jeder volljährige Mensch hat ein Anrecht auf einen Raum in angemessener Größe (z.B. min. 10 qm) und Tageslicht, Sanitäranlagen, elektrisches Licht und Zugang zu sicheren Kochmöglichkeiten, sowie auf ein menschengerechtes Bett, Internetzugang und Mobilkommunikation. Das ist nicht kostenlos, aber es kann und wird fair, bezahlbar und vor allem jedem ermöglicht, dies durch eigene Aktivitäten (ich spreche hier bewusst nicht mehr von Arbeit) zu erwirtschaften.

 

Allein um diesen Bedarf zu decken entsteht ein unglaublicher Schub für alle Bereiche der Weltwirtschaft. Ich gehe davon aus, dass sich das weltweite BIP dann von derzeit 84 Billionen (2018) binnen 5 Jahren auf 100 Billionen erhöhen liesse. Das sind die gebührenden Möglichkeiten des Engagements für jeden der bald 10 Milliarden Menschen. Die Chance, jedem Bewohner der Erde ein menschenwürdiges Leben zu erlauben ist real.

 

Smart Cities und heutige Technologien bieten die Möglichkeit, Bauen, Versorgen und Erhalten viel günstiger und trotzdem nachhaltig, ökologisch und komfortabel anzubieten.

 

Wie können sie diese Vision strukturieren, gewissermaßen in Formen gießen?

Mit der neugegründeten Aquarius Living LLC werden wir die ersten Projekte mit diesem Ansatz projektieren und verwirklichen (www.aquarius.homes) und in Zukunft ganze Stadtteile oder Regionen planen, z.B. auch Floating Cities auf den Ozeanen dieser Welt.

 

Es gibt ja einige philanthropische Vorschläge für Teillösungen wie beispielsweise Toiletten für jeden. Kann man nicht kleine Schritte gehen?

Nein! Ich finde es zynisch Menschen nur saubere Toiletten anzubieten, sie aber weiterhin in verlausten Slums in erbärmlichen Wellblechhütten oder noch schlimmer hausen zulassen. 2 Milliarden Menschen leben so, also gut 30% aller Menschen und wir reden von sauberen Toiletten? Es braucht mindestens noch 100 Städte von der Größe Dubais (heute ca. 3.5 Millionen Einwohner), sobald wie möglich und das ökologisch und ökonomisch realistisch! Ein paar saubere Toiletten sind da nicht die Lösung. 

 

Das Geld ist da! Die Leute haben zwar verständlich Angst es zu investieren und riskieren sogar Wertverluste, anstatt es lukrativ in den Bau von Infrastruktur zu investieren. Ein Investment, dass über Jahrhunderte Spaß und Profite bescheren kann. Es fehlen auch die Investmentmodelle, um als Einzelperson mit begrenzten Budget z.B. ein Haus zu bauen oder in große Projekte mit kleinen Summen zu investieren.

 

Es geht in der heutigen Zeit darum, die Errungenschaften von Technologie, Wirtschaftsinformatik und Nachhaltigkeit in neue Modelle der globalen Gemeinwirtschaft zu lenken und so die scheinbar “Abgehängten” der Globalisierung wieder mit ins Boot zu holen. Dazu braucht es aber den Mut global und langfristig über drei bis fünf Jahrzehnte zu denken und handeln.

 

>> Im zweiten Teil, der nächste Woche erscheint, lesen Sie wie sich das rechnet und daß jeder eine menschenwürdige Wohnung haben kann. 

Mehr Informationen & Kontakt

www.aquarius.homes 


Fotos: Paule Knete