POSTEN ODER NICHT POSTEN?!

Social Media: Sein oder Nichtsein

Social Media ist in aller Munde. Doch einfach ein Account zu haben, reicht leider nicht aus, Menschen zu gewinnen. Warum sind die einen erfolgreich und andere nicht? Der Frage möchte ich in Zukunft hier nachgehen. Ganz offensichtlich sind Facebook, Instagram und Co. auch Ihnen wichtig im Leben geworden. Nur wenige stellen sich allerdings die Frage „Wofür bin ich in den sozialen Medien unterwegs?“ und posten drauf los. „Um informiert zu sein.“ scheint mir die akzeptabelste Antwort. Ich selbst finde in den sozialen Medien oft Informationen, die ich andernorts für Beruf, Wissen und Unterhaltung vergeblich suche. Doch dazu muß man nicht posten. Warum also? Darauf gibt es nur individuelle Antworten, keine generelle. Ich mache kein Hehl daraus: Mich nerven jene Leute, die keine eigenen Ideen, keine Botschaft, keinen Neuigkeitswert liefern; und immer wieder dasselbe posten. Mahlzeiten, Drinks, Sonnenuntergänge, Selfies. Das raubt anderen die Zeit, die sich durch den ganzen seichten Kram scrollen müssen. Freunde macht man sich damit nicht.

 

Allein, allein

Für viele ist es der bewusste, meist aber eher unbewusste Wunsch, der Außenwelt eine eigene Beliebtheit zu zeigen, die ihnen im wirklichen Leben fehlt. Oder es ist die Angst, übersehen zu werden? Psychologen sagen auch, exzessive Nutzer, die täglich und sogar mehrmals täglich (meist Belangloses) posten, suchen nach Bestätigung, nach einem Echo, das ihnen zeigt, sie gehören „dazu“. Da ist z. B. die langbeinige Dame auf Instagram, die jeden Tag in einem anderen Outfit Bilder von sich (!) postet; am Strand, in teuren Clubs, im Restaurant, im Gym. Keine weitere Botschaft, keine mitteilenswerten Gedanken. Nichts. Nur Bilder, Flachheiten, Hashtags. Will sie Neid oder Aufmerksamkeit? Was sie nicht bekommt, ist Sympathie.

 

„Beeinflusser“ (neudeutsch „Influenzer“)

Nur zu! Millionen von Social Media-Nutzern, vor allem junge, träumen davon, einmal Influenzer zu werden: Eine öffentliche Person, der Hundertaussende an den virtuellen Lippen hängen und sich in ihrem Konsumverhalten beeinflussen lassen. In 99,9999% der Fälle bleibt der Traum ein Traum. Warum sollten Menschen ihnen auch folgen? Was liefern sie besonderes? Die schlechte Nachricht also: Du wirst wohl kein Influenzer. Es sei denn, Du arbeitest daran. Stunden um Stunden. Tage um Tage. Aktiv. Und lernst. Hast Du dafür keine Zeit oder nicht den Fleiß, spiele lieber Lotto oder warte vom Blitz getroffen zu werden, um zum Thema in den sozialen Medien zu werden. Die Wahrscheinlichkeit ist höher.

 

Erfolg ist möglich

Beantworte Dir nicht nur die Frage nach dem Warum. Frage Dich konkret: Was will ich erreichen? Wer ist die Zielgruppe? Wo agiert diese Zielgruppe (Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest …)?

Ist es Dein Ziel, Dich als Unternehmerpersönlichkeit zu präsentieren? Auch das macht Sinn. Voraussetzung für einen erfolgreichen Auftritt sind allerdings Fokus, Geschmack und Professionalität. Biete einen Nutzen. Nicht was Du Dir vorstellst, sondern was Deine Zielgruppe sich darunter vorstellt. Würdest Du im wahren Leben Dein Produkt dem Kunden in kleiner Auflösung und schlecht beleuchtet am Handy zeigen? Zeit sich abzuheben von den Dilettanten.

 

Du willst Respekt? Verdiene ihn.

Es wird Dich überraschen, aber: Die sozialen („gesellschaftlichen/öffentlichen“) Medien sind wie das wahre Leben. Mit einer Besonderheit. Hier sehen Dich potentiell viel mehr Leute und mehr Leute die Dich auslachen können. Würdest Du Dich in Jogginghosen auf eine Bühne stellen? Würdest Du Deinen Freunden jeden Tag Deine Katze vorbeibringen oder „Ich war spazieren wo ich immer rumlaufe“ erzählen? Würdest Du Deinen angebissenen Burger auf der Straße herumzeigen? Würdest Du ein Selfie von Dir im Bad, mit der Klopapierrolle im Hintergrund, an die Wohnungstür heften? Aha, warum machst Du es dann auf Facebook und erwartest ernst genommen zu werden?

 

Qualität, nicht Masse

In „Wall Street“ sagt Gordon Gekko den berühmten Satz: „Überrasch‘ mich!“ Den Respekt der wichtigen Leute bekommst Du nicht für Langeweile. Entertainment, Eye-catcher - das ist es worum es heute geht. Auf meinem Instagram-Account gleicht kaum ein Bild dem anderen. Darf auch nicht. Mir folgen Fotografen, Journalisten, Künstler, Marketingprofis aus aller Welt. Ein offenes Wort deshalb zu den Followern. Zahlen sind nicht das Maß aller Dinge. Wichtig ist, wer Dich liest und wie bedeutsam er für Deinen Erfolg ist.

 

So geht es richtig.

Wenn wir uns einig sind in puncto Qualität, Anderssein, Unterhaltsamkeit, Überraschung, Humor, zeige jetzt Deinen USP – Dein Alleinstellungsmerkmal. 

 

Und entwickle guten Geschmack. Schaue Dir die Instagram-Seiten an von

Claudia Schiffer

Lola Astanova

ICON

Travel & Leisure

Anika Ernst oder lass Dich inspirieren von Nikoncontest

 

Meine Empfehlung: Stelle Dir vor jedem Posing und Posting eine simple Frage: Würden Victoria Beckham (Lifestyle) oder Jamie Oliver (Food) mein Foto posten? 

 

Fünf Tipps

1. Wer zigmal am Tag seine (immer ähnlichen) Bilder auf Instagram postet, ermüdet schnell die Zielgruppe. Schaust Du Dir selbst am Tag zehn Posts derselben Person auf Instagram an? Man belächelt sie als belanglose Selbstdarsteller, die zu viel Zeit haben. Weniger ist mehr. Mehr Qualität, mehr Überraschung. Mehr Botschaft, mehr Ausdruck. Warum wohl sind Zitate so beliebt?!

 

2. Schau Dich um. 

Viele Posts sind schlicht peinlich. Spiegeleier und Fast Food auf Kantinentischen. Seelenlose Gruppenfotos ohne Struktur, aber mit den verlegen-ideenlosen Victory-Zeichen. Selfies mit dem Klo als Kulisse. Was das Auge anzieht sind gut komponierte Fotos mit Stil, auf denen man Details erkennen kann, vor neutralem Hintergrund.

 

3. Hasenohren, Herzchenwolken, „Duck face“ oder einen Fuß (meist den falschen) auf die Zehenspitzen zu stellen und den Hacken anzuheben, scheint bis heute in bestimmten geschmacksresistenten Kreisen das Nonplusultra zu sein. Brrrr. Präsentiere Dich erwachsen und lerne die Posen.

 

4. Bilder, Videos, Grafiken.

Laut einer Studie (Khaleej Times) liest ein Araber 35 Std/Jahr. Das sind weniger als 6 Minuten am Tag. 80% unserer Informationen werden aber über das Auge aufgenommen. Wenn Text also nicht ankommt, was ist es dann? Bilder, Bilder, Bilder! Dein Follower entscheidet am Display in Bruchteilen einer Sekunde, ob er bei Dir stoppt und liest oder weiterwischt. Biete also eye-catcher. Nicht befrachtet mit Hashtags, Links und Text, die eh keiner liest.

 

5. Unternehmer, das alles gilt natürlich erst recht für Unternehmensaccounts. Erwarte nicht, schnell berühmt zu werden. Die Social Media Präsenz dient vor allem Deinem Image. Glaubst Du, Du brauchst kein Social Media? Irrtum. Die kaufkraftstarke Generation heute liest Deine Flyer nicht. Sie tummelt sich auf Instagram. Bist Du nicht da, bist Du für sie schlicht nicht existent. Erwarte als Unternehmer nicht, Deine Produkte über Nacht besser zu verkaufen. Erfolg auf Social Media verlangt langen Atem, über viele Monate oder Jahre, Handwerk und Fleiß. Erst kommt das „krasse“ oder „amazing“ Image, dann der Umsatz. Noch eins. Kommerzielle Social Media sind ein Gebiet für professionelle Macher, ob Du das einsiehst oder nicht. Deine Zielgruppe sieht dem Account an, ob Du Dir als Unternehmer einen Profi leisten kannst. Poste gute Fotos. Zeige das Unverwechselbare, das Gesicht der Firma. Absolutes No Go: Kostenlose Software. Der anspruchsvolle Kunde mit dem Geld erkennt das umgehend.

 

Du hast gemerkt, mein Ton war bewusst provokant. Anders eben. Sonst hat man die Kolumne schnell vergessen. Zum Erfolg kann man sich halt nicht kuscheln. Niemals.

Mein versöhnlicher Rat jedoch zum Schluss. Du kannst zwar nicht schnell berühmt werden, aber Dein Image als moderner, geschmackvoller, intelligenter Zeitgenosse pflegen, der etwas Interessantes zu sagen hat.

 

Wer jetzt nicht anfängt, holt die Anderen nie mehr ein. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg.

 

Paule Knete arbeitet für Classy Dubai. Er ist Autor, Blogger, Fotograf. Zu seinen Followern gehören Künstler, Fotografen, Marketing Experten in aller Welt. Er gibt regelmäßig Kurse in Fotografie und Gestaltung für Social Media in Dubai und Ras Al Khaimah. Seine Social Media Kolumne erscheint hier zweimal monatlich.

 

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