Süsse Schweiz in Dubai - 100 Kalorien mit Ester Crameri

Lifestyle

Ein zarter Schmelz, der cremige Kern und schon durchströmt dieses wohlige Gefühl Gaumen und Körper. Hoch­wertige Schokolade schmilzt zart auf der Zunge, klebt nicht. Kenner schätzen gute Schokolade genauso wie Wein oder Käse - eine Reise durch die Welt des Genusses mit wunderbaren Geschmacksüberraschungen.

 

Wir treffen Ester Crameri, Managing Director bei Sprüngli Middle East, dem wohl bekanntesten Haus der Welt für Schokolade die diesen Titel auch verdient. Beim interviewen verbrennt man 100 kcal pro Stunde sagen Ernährungsexperten. Also treffen wir uns auf 100 kcal.

Auf Grund ihrer aufwendigen Herstellung gelten Pralinen als die Krönung der Chocolatier-Kunst, die Schweiz als das Heimatland der Schokolade.

Die gute Nachricht: Überzuckerte Industriesüßigkeiten sind nicht mehr up to date. Heute gehört es zum guten Stil weniger, dafür bessere Schokolade zu essen. Der Trend bei Food Lovers und Conaisseurs geht zur elegant-edlen Schokolade. Zucker raus - hochwertiger Kakao rein.

Wie so oft im Leben gilt Qualität vor Quantität oder volkstümlich: Weniger ist mehr. Bewusst gute Schokolade genießen ist eine für Körper und Geschmack lohnenswerte Tendenz – findet Classy Dubai). Mit wem kann man trefflicher darüber reden als mit einer Schweizerin, noch dazu einer die sich in Schokoladentradition und  -business auskennt wie kaum eine andere?

Wie kamst Du zu Sprüngli, was verbindet Dich mit dem Haus?

Eine Freundin war bei einem Nachtessen bei Herrn und Frau Sprüngli eingeladen. Herr Sprüngli erzählte ihr von seinen Plänen das Geschäft auszubauen. Sie machte uns beide bekannt und wenig später hatte ich den Job. Schon seit meiner Kindheit liebte ich Sprüngli. Mein Vater, er arbeitete als Banker nahe am Paradeplatz, nahm mich glegentlich in dieses Schokoladen-Paradies mit. Ich bekam immer große Augen. Ich fand die Auslagen so schön und dieser frische schokoladige Geschmack – das gab es für mich immer nur bei Sprüngli. Ich weiß noch gut, dass ich damals die dunklen Truffes du Jour speziell liebte. Die habe ich mir später in strengen Zeiten des Abiturs hin und wieder gekauft; als „kleinen Aufsteller für den Tag“ oder als Trost nach einem schlechten Test. Mich hat später die Leidenschaft und die Leadership von Herrn Sprüngli, die Sprüngli bis heute lebt, sehr beeindruckt und wie jeden Tag von Hand die vielen Köstlichkeiten in Perfektion gezaubert werden. Die lange Tradition des Hauses sowie die Werte für die Sprüngli steht, haben mich ab dem ersten Arbeitstag fasziniert.

Sprüngli hat damals wie heute das Flair von Luxus, Exklusivität und Internationalität.

 

Was ist anders, das Besondere an der Sprüngli Schokolade?

Unsere Produkte, nicht nur die Schokolade, werden allesamt ohne Konservierungsmittel hergestellt und das schmeckst Du einfach. Wir legen höchsten Wert auf die Wahl der Rohstoffe, die erlesenen Kakaosorten, zum Teil echte Raritäten.

 

Erlesener Luxus - da passt Sprüngli ja ideal zu Dubai...

Wir sind mit einem Office für Firmenkundengeschenke seit 2008 in Dubai, direkt am Airport gelegen. Dies ist auch das Importoffice, da ja alle Produkte original in der Schweiz hergestellt und per Flugfracht nach Dubai kommen. Die Nachfrage hat uns bekräftigt, ein eigenes Geschäft, ein „Fenster“ zum Markt für die Individual-Kunden im Juni 2014 zu eröffnen. Der erste Sprüngli-Shop im Ausland, eine Kombination aus Café und Schokoladenboutique.

 

Die Klientel hier ist sicherlich anders als in der Schweiz.

Ja ganz eindeutig. In der Schweiz ist die Kundschaft homogener. Sprüngli ist in Zürich eine Institution und steht praktisch als Muss in allen Reiseführern. Man kann sagen, Sprüngli gehört quasi zur Geschichte von Zürich. In Dubai hingegen ist die Kundschaft internationaler als in der Schweiz. Die Marke Sprüngli ist in dieser Region vor allem Kennern bekannt. Ein sehr interessanter Markt, da die internationale Community ihre vielen verschiedenen Feste und Feiertage hier begeht.

 

Wie erreicht Ihr hier eure Kunden?

Wir haben immer auf Netzwerke gesetzt. Im Vordergrund stand anfangs die deutschsprachige Community; Schweizer, Deutsche und Österreicher. Die waren am ehesten affin für exklusive Schweizer Schokolade. Daneben haben wir eine Reihe Sprüngli-Liebhaber, die uns von der Schweiz her kennen, kontaktiert, sie eingeladen, um sie sie zu begeisterten Anhängern zu machen. Die Mund zu Mund Propaganda ist offenkundig hier besonders wichtig. Auch die social media sind stärker verbreitet. Das nutzen wir entsprechend.

 

Worin besteht der Unterschied, Schokolade in dieser Region zu verkaufen?

Das lokale Angebot ist sehr groß, die Kundschaft sehr unterschiedlich. Es gilt die Bedürfnisse der verschiedenen Kundengruppen zu erkennen, zu analysieren und dies in die Kreation von Produkten einfließen zu lassen.

Die größte Herausforderung aber auch unser Alleinstellungsmerkmal besteht darin, dass wir in der Lage sind, unsere sensitiven Natur-Produkte ohne Konservierungsstoffe vor der Hitze zu schützen und die Produkte in perfektem Zustand bei Bedarf an die Türschwelle zu liefern.

 

Für den arabischen Markt haben wir spezielle Saison-Produkte kreiert, sei es für Ramadan und Eid oder auf Vorbestellung. Dazu gehört zum Beispiel „Rose Maracaibo“ eine edle, zartbitter Ganache welche mild mit einem Hauch von Rosenessenz parfümiert und mit einem gefriergetrocknetem Stück Rosenblatt dekoriert wird. Natürlich darf die Dattel nicht fehlen, alleine schon um den Emiratis die Ehre zu erweisen. Sprüngli ist Gast in ihrem Land und möchte die lokalen Sitten aufnehmen. Also haben unsere „Tüftler“ in der Schweiz exklusive Dattelpralinés kreiert. Edle Dattelmousse kombiniert mit Nougat, Nüssen, Sesam und anderen arabischen Zutaten.

 

 

Was ist der Schokoladen-Trend in Middle East?

Zum einen haben wir hier zahlreiche Massenprodukte von Industrie-Herstellern wie Nestlé, Lindt, Cadburry, Barry Callebout und ähnlichen großen Playern, die entsprechend haltbar gemacht werden.

Auf unserem Niveau der hochwertigen, importierten Schokolade lässt sich erfreulicherweise neu ein Trend feststellen: „Quality before Quantity“. Wenn bis dahin vor allem riesige Trays, möglichst voll beladen gefordert wurden, kommen nun vermehrt die Kunden zu Sprüngli, die das Beste, Exklusive und Handgefertigte suchen.

 

Welche Kunden sind experimentierfreudiger, was exotische Sorten angeht? Die Europäer oder die Locals hier?

Eher die Locals. In der Schweiz ist alles mit Milch und Nuss ein sicheres Produkt. Sie sind weniger experimentierfreudig und bleiben beim Altbewährten. Hier in Dubai ist man Neuem eher aufgeschlossen. Wer nach Dubai kommt, der macht eine neue Erfahrung in seinem Leben und sucht das „Andere“. Deshalb würde ich hier unter Locals die ganze Gemeinschaft von Dubai rechnen. Mit anderen Worten: Auch ein Europäer in Dubai ist tendenziell experimentierfreudiger als ein Europäer in Europa.

Wovon lässt Sprüngli sich bei der Entwicklung neuer Sorten inspirieren? Marktrends, Kundenwünsche oder eine Vorwegnahme der Marktentwicklung/Ausprobieren?

Unser Maitre Chocolatier, ein echter Innovator, hat seine „Nase im Wind“. Er ist verlinkt mit Sensorikern, mit Leuten aus der High-End Gastronomie und ist immer am Ausprobieren und Verbessern. So sind in der Vergangenheit schon manch tolle Produkt-Kreationen entstanden.

Im Moment kann man sicher sagen, dass das Thema Nachhaltigkeit, Fairtrade aber auch die Herkunft der Inhaltsstoffe eine große Rolle bei Neu-Kreationen spielt; so zum Bespiel bei unserer letzten Neulancierung, der Bergheumilch-Schokolade. 

 

Was ist die verrückteste Schokoladenkombination die Dir begegnet ist? Und wo hast Du diese entdeckt?

Das liegt schon ein Weilchen zurück und war bei einem Chocolatier an der Côte d’Azur. Schokolade mit Lavendel, Schokolade mit Aprikosenmus. Und dann war sicherlich die Kombination von Schokolade mit Chilli das ungewöhnlichste das ich gegessen habe. Ich finde jedoch, dass man bei all diese speziellen Kombinationen schnell über hat. Es geht einfach nichts über ein wirkliches Frisch-Rahm-Truffes.

 

Wenn du auf Reisen gehst, suchst Du an den Orten Schokoladenhersteller auf? Gucken was die Wettbewerber machen? Gehst du fokussiert auf "Schokoladen-Reisen“, undercover sozusagen?

Undercover Schokoladereisen nein. Für die Kreationen kann ich höchstens Impulse und Inputs und Trends von anderen Märkten an unsere Innovatoren weitergeben. Und natürlich suche ich auf meinen vielen privaten Reisen den besten Chocolatier. Ich bin einfach neugierig, was andere Confiseure machen, mit was für Kombinationen sie aufwarten und natürlich wie die Praline am Schluss dann auch schmeckt. .... Ehrlich gesagt, ist es schwierig mich mit meiner Sprüngli-Erfahrung wirklich für etwas anderes zu begeistern.

Wird edle Schokolade heute noch wertgeschätzt, gerade weil viele Billigprodukte erhältlich sind?

Edle Schokolade wird langsam aber sicher auch hier in Dubai von ausgewählten Leuten geschätzt (food lovers, Schokolade Conaisseurs).

 

Kannst du dich noch erinnern wie viel Schokoladenprodukte Du in Deiner Karriere schon probiert hast?

Wieviel in Menge nein. Ich esse jeden Tag etwas Schokolade, aber am liebsten nur dunkle aus Edelkakaosorten; so zum Bespiel unsere Grand Cru Truffes; ein idealer Begleiter zu einem guten Glas Rotwein oder einem feinen italienischen Espresso.

 

Magst Du nach so langer Zeit überhaupt noch Schokolade essen?

Ja jeden Tag. Wenig, nur das Beste und nur dunkel.

 

Woran erkennt man gute Schokolade?

Gute Schokolade sollte einen feinen Satin-ähnlichen Schimmer haben. Der Kakaogehalt und die Kakaosorte sind ein Indikator für „gute“ Schokolade. Schlussendlich ist es jedoch immer eine Geschmacksache was „gut“ oder „nicht gut“ ist. Wir wollen mit unseren Produkten den Kunden verwöhnen. Wenn wir das erreichen, würde ich das als gute Schokolade beschreiben.

 

 

Es heißt ja Schokolade macht glücklich. Stimmt das, und wenn ja warum?

Schokolade macht bestimmt glücklich. Es sind doch einfach schöne Momente, wenn man zum Beispiel ein feines Truffes genießen kann – oder seine Lieblingspraline. Andererseits enthält Schokolade Serotonin, Theobromin und Koffein denen man nachsagt, dass sie glücklich machen können.

 

Wie beschreibst du den Geschmack von Schokolade?

Bei den Grand Cru Truffes handelt es sich um vier verschiedene Sorten von Truffes, hergestellt aus vier ausgewählten, edelsten Kakao-Sorten. Sprüngli hat kein Mühe gescheut, auf der ganzen Welt nach den besten Sorten zu suchen und wurde in Madagaskar fündig, wo wir einen edlen Trinitario-Kakao gefunden haben. Dieser zeichnet sich durch ein ausgewogenes Bouquet und einer feinen frischen Zitrusnote aus, welche man spürt, wenn man sich die Trüffel langsam auf der Zunge zergehen lässt. Für die nächste Sorte heißt es nach Südamerika zu wechseln, und zwar nach Venezuela, wo in Sur del Lago eine exklusive kleine Kakaofrucht reift von der Sorte Criollo. Diese zeichnet sich durch einen Hauch von Orangenblüten aus. Vielleicht finden sie im Abgang sogar einen Hauch von einer Kaffeenote. Die dritte Sorte bringt uns nach Ecuador, nach Esmeraldas, wo eine Arriba Kakaobohne ein vornehm herbes Geschmackserlebnis hervorzaubert. Und die vierte Kakaosorte im Bunde stammt aus Santo Domingo; es handelt sich um eine Trinitario Bohne, welche beim Genuss an Schwarztee und einen Hauch von Vanille denken lässt.

Unsere Grand Cru Truffes sind ein Fest für den Genießer, der sich gerne auf ferne Reisen und tolle Geschmackserlebisse einlässt.

 

Was fasziniert Dich an Dubai?

Die Stadt ist Multikulti und all die verschiedenen Nationalitäten leben friedlich miteinander. Ich liebe den Zeitgeist von Dubai. Dubai gibt vielen Menschen mit neuen Ideen, die Möglichkeit es zu versuchen. Ich bewundere die Entschlossenheit des Rulers Sheich Mohammed, immer das Beste erreichen zu wollen. Ich bewundere, was innerhalb von rund 20 Jahren mit so viel Leidenschaft und Leadership hier entstanden ist.

 

 

Interview:  Marlamaria

Fotos: Paule Knete und Sprüngli

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Paule Knete

Paule Knete's World of Pictures