Im Schatten der Lombardis – Ein Thriller aus Dubai

Bücher

Berit Paton Reid - Foto: Paule Knete/Classy-dubai.com

Als sie die Brücke zu Palm Jumeirah hinauffuhren, machte Nadine aus ihrer Bewunderung keinen Hehl mehr »Gesetzt den Fall, dass Sie Ihr Fluchtziel spontan gewählt haben, mein Respekt…..« “.

Wenn ein deutscher Buchriese wie „Bastei Lübbe“ ein Buch für den „Glauser-Preis“ einreicht, einen Preis für die besten deutschsprachigen Krimis des Jahres, sagt das einiges über die Qualität des Werkes und vor allem das Können der Autorin aus. Die Deutsche Berit Paton Reid schrieb in Dubai ihren ersten Roman - einen Finanzthriller. Auch einer der Schauplätze – Dubai.

Das Schweizer Bankhaus der Lombardis erhält eine Insiderinformation, dass die Forderung einer Investmentbank über eine Milliarde Dollar droht. Intrigen, Machtkämpfe und ein gut gehütetes Familiengeheimnis kommen ans Licht.


Geld, Macht und Moral – ein in der heutigen Zeit hochaktuelles Thema. Wir treffen Berit Paton Reid im Capital Club im Dubai International Financial Center DIFC – der perfekte Ort, über ihr Buch „Im Schatten der Lombardis“ zu sprechen; und wir bekommen einen Einblick in das Leben als Schriftstellerin in Dubai.

 

Worum geht es in Deinem Buch „Im Schatten der Lombardis“?

Die Finanzkrise, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts als ökonomischer Sturm über den Globus fegt, bildet den Hintergrund der Geschichte über die Lombardis aus Genf, die in der 5. Generation ihre etablierte Privatbank führen.

Unerwartet erreicht die Familie ein schockierender Insider-Tipp: Die Forderung einer amerikanischen Investmentbank über 1 Milliarde Dollar droht. Unter enormen Zeitdruck versucht Eigentümer Francois Lombardi mit seinen Söhnen Christian und Pascal das dubiose Geschäft aufzuklären und die Bank vor dem Ruin zu retten.

Alles erhält eine neue Dimension, als der Geschäftsführer tot im Büro aufgefunden wird. Mord oder Selbstmord? Die Situation eskaliert weiter, als einer der Lombardi Söhne verschwindet. Um die Hoffnung auf eine Lösung zu erhalten, müssen sich die Beteiligten nicht nur mit Bankinterna auseinandersetzen. Moralische Werte, Loyalität und langjährige Freundschaften werden auf den Prüfstand gestellt. Dabei kommen sorgsam gehütete Geheimnisse, Intrigen und komplizierte Beziehungsgeflechte ans Licht. Das Finale in New York führt sämtliche Erwartungen der Leser ad absurdum.

Geschichtlich wird ein Bogen von den dreißiger Jahren bis in unsere Tage gespannt; geografisch von Europa, über Dubai nach Asien und New York.

Inhaltlich gelingt eine Symbiose zwischen Wirtschaftsthriller, Familiensaga und Liebesroman. Fiktion und Wirklichkeit trennt nur eine hauchdünne Membran.

Dein Roman ist ein Thriller der in der Finanzwelt spielt. Warum hast Du Dich für dieses Sujet entschieden? Du hättest Dich ja auch für ein familientauglicheres, romantisches, gruseliges oder lustiges entscheiden können.

Die Finanzkrise hat viele Menschen auf irgendeine Art betroffen, hat uns alle in Dubai verändert und mit dem Thema Geld beschäftigt sich auch jeder zwangsläufig, egal ob man zu viel, zu wenig oder gerade genug hat. Bei den Ereignissen um die Schweizer Bankiersfamilie Lombardi dreht es aber sich auf wesentlich mehr Seiten um Liebe, Familie, Intrigen und moralische Werte als um Finanzen, deswegen finde ich mein Buch schon familientauglich.

Gruselige Bücher im Sinne von brutal werde ich nicht schreiben. Wenn ich mir vorstelle, ich sollte mich jeden Tag mit obskure Mordtechniken oder Vergewaltigungen beschäftigen, bekomme ich Gänsehaut. Aus dem Leben gegriffene, psychologisch spannende Geschichten, philosophische Fragen, witzige Beziehungs- oder Liebesgeschichten kann ich mir jedoch als Themen gut vorstellen. 


Es gibt zahlreiche überraschende Wendungen in Deinen Buch und Insiderwissen. Stammt dies aus Erfahrungen aus Deinem Leben oder entsprang es der Phantasie?

Ich mag intelligent strukturierte Plots, da fließen viel Arbeit und Kreativität ein. Insiderwissen ist per se keine Phantasie, sondern erlesen, erlebt oder recherchiert. 

 

Auf der Welt, so scheint es, geht Geld über alles, und moralische Werte verlieren immer mehr an Bedeutung. Hat dein Buch diesbezüglich eine Botschaft?

Indem ich das Thema des Werteverfalls aufgreife, zeige ich, dass es mich beschäftigt und durch die Ereignisse in den letzten Wochen ist es aktueller denn je. Es vergeht kein Meeting oder kein Dinner, wo nicht darüber diskutiert wird. Mein subjektives Gefühl ist, dass in der westlichen Kultur wieder mehr über Werte als über Geld gesprochen wird und über andere Kulturen kann ich nicht urteilen.

Je nach der Rolle meiner Charaktere im Buch setzen sie sich damit auseinander und natürlich formuliere ich über die Dialoge auch eigene Ansichten. Ich gehe aber nicht mit erhobenem Zeigefinger zur Sache, das steht mir nicht zu und ist auch in einem Roman fehl am Platz. Außerdem habe ich gelernt, dass Leser Szenen nach eigenen Lebenserfahrungen oder Standpunkt sehr verschieden interpretieren.

Wie stehst du persönlich zum Spannungsfeld Moral und Kapital, gerade in Anbetracht Deiner persönlichen und Berufserfahrung?

Jeder muss seine Prioritäten im Leben setzten, die ausnahmslos ihren Preis haben und am Morgen in den Spiegel schauen. Ich glaube, dass alles miteinander verbunden ist und sich irgendwann ausgleicht. Geld ist ja an sich nichts anderes als ein modernes Tauschmittel. Es kommt darauf an, was wir damit machen und welche Bedeutung wir den kleinen Scheinen zugestehen.

Ich war jahrelang alleinerziehende Mutter, da der Vater meines Sohnes sehr jung tödlich verunglückte. Damit ich meinem Sohn die Internationale Schule in Genf, ein Studium in Dubai ohne Expat-Package und uns ein gutes Leben ermöglichen konnte, musste ich erfolgreich sein. Das hat mich motiviert, selbstständig eine Firma aufzubauen, lange Stunden zu arbeiten und auch Risiken einzugehen. Jeder Mensch hat andere Motivationen und Ziele im Leben, die wir respektieren sollten – solange sie mit humanistischen Wertvorstellungen im Einklang stehen.


Der Entschluss ein Buch zu schreiben war gefasst. Gab es einen Zeitplan oder hast Du Dir keinen Druck diesbezüglich gemacht?

Ich dachte anfangs, in zwei Jahren hätte ich das Buch geschrieben ... Zwischen der ersten Idee und der Veröffentlichung sind dann fünf Jahre vergangen, davon habe ich drei Jahre wirklich geschrieben. Anschließend vergingen noch einmal 18 Monate zwischen der Zusage vom Lübbe Verlag und dem Erscheinungstermin. Freunde beschreiben mich als sehr ehrgeizig und ungeduldig...


Hattest du ein Tagespensum beim Schreiben?

Als Autorin schreibt man ja nicht nur. Man muss Nachforschungen anstellen, Lesen, die Charaktere fortwährend weiterentwickeln und die Geschichte immer wieder hinterfragen. An manchen Tagen oder Wochen flutscht es, dann unterbreche ich den Prozess nicht, schreibe bis zu 12 Stunden am Computer. Natürlich habe ich auch Tage, an denen nichts gelingen will. Die nutze ich zur Recherche oder zum Korrigieren. Wichtig ist, dass man jeden Tag kontinuierlich arbeitet. Wenn man auf „Inspiration“ wartet, passiert nichts. Inspiration entsteht beim Schreiben. Ich versuche im Durchschnitt täglich 1500 Wörter zu schreiben.


Gibt es Autorinnen die Du besonders magst, in deren literarischer oder stilistischer Nähe Du Dich siehst?

Ich stehe am Anfang meiner Karriere als Autorin und halte es für verfrüht, mich in eine Kategorie einzuordnen. Ich möchte verschiedene Sachen ausprobieren. Deswegen lese ich bewusst Bücher von Autorinnen mit ganz unterschiedlichen Ansätzen. Die Bandbreite reicht von Charlotte Link, Donna Tartt, Virginia Wolf über Tess Gerritsen, Jojo Moyes ... und natürlich lese ich auch Bücher männlicher Autoren. Als typische Jungfrau habe ich aber eine Nische und Plan im Hinterkopf...

Wer hat Dein Buch zuerst gelesen? Ich könnte mir vorstellen, dass man es erst Familie oder Freunden zum Lesen gibt?

Ich habe eine Gruppe lieber deutschsprachiger Freundinnen in Dubai, die in Abschnitten mitlesen, kommentieren und die ich bitte, sehr kritisch zu sein. Mein Mann ist Belgier, spricht kein Deutsch und ist nicht glücklich darüber, dass er meine Bücher nicht lesen kann.


Kanntest Du beim Schreiben des ersten Satzes das Ende der Geschichte?

Das ist eine sehr interessante Frage und die kurze Antwort ist: Jein.

Die lange: Der erste Satz bleibt nie der erste Satz. Das erste Kapitel oder der Prolog sind die Szenen, an denen man lange feilt, die immer wieder umgeschrieben werden  und die sich stilistisch bis zum Schluss ändern.

Das Schreiben eines Romans ist ein langjähriger Prozess und entwickelt sich in Abschnitten. Zuerst habe ich eine Idee, die ich in zwanzig oder dreißig Seiten als Storyline skizziere, danach plane ich Charaktere, eine Hintergrundgeschichte, die Zeitschiene, mache Research, lese Bücher um das Thema herum ... Wenn ich mit dem eigentlichen Schreiben beginne, sind bereits einige Monate ins Land gegangen. Dann habe ich die Kapitelabfolge, Charaktere und Hauptevents strukturiert und auch ein Ende im Kopf. In dem Moment glaube ich, das Ende zu kennen. Dieses Gefühl ist wichtig, ansonsten würde ich ziellos schreiben. Die Charaktere entwickeln aber über Monate ein Eigenleben; manche werden stärker oder schwächer, andere verschwinden ganz, neue Ideen für die Geschichte kommen dazu. Das ist faszinierend zu erleben und genau dieser nicht planbare Prozess macht das Schreiben für mich spannend.


Gibt es schon einen Plan für ein neues Buch? Oder schreibst Du sogar schon an einem Neuen? Und würde es wieder ein Thriller sein?

Vom nächsten Buch, wieder ein moderner Thriller, sind bereits 2/3 geschrieben. Der Auslöser ist ein Mord an einer bekannten Persönlichkeit, der wirklich geschehen und bisher nicht aufgeklärt ist. Ich gehe in der illustren Geschichte von Monaco achtzig Jahre zurück bis in die Gegenwart. Die Story ein explosiver Cocktail zwischen Macht und Geld, Leidenschaft, Familie, Mafia und Vatikan. Mehr kann ich noch nicht verraten.


Hatte Deine Entscheidung für die Schriftstellerei mit der Finanzkrise zu tun? Wärst Du heute noch im Real Estate Business?

Ich wollte schon als Kind Bücher schreiben. Mein Leben entwickelte sich anders und ich habe nicht ständig darüber gegrübelt, sondern es gelebt. Wie jeder weiß, kommen Träume in Abständen wieder hoch und verstärkt, wenn sich äußere Umstände ändern. Die Finanzkrise erreichte Dubai im Sommer 2008, ich habe mein Real Estate Business erst 2010 geschlossen. Zu der Zeit hatte mein Sohn sein Studium abgeschlossen. Es war also kein Schnellschuss, nur weil es mal nicht so lief. Ich war dem Ganzen nach sehr intensiven, guten Jahren überdrüssig, suchte eine mehr intellektuelle Herausforderung. Das Timing von verschiedenen Umständen hat gepasst. 

Du hast Dich 2003 für ein Leben in Dubai entschieden. Was fasziniert dich an Dubai?

Ich besuchte die Emirate 1993 das erste Mal, kam danach regelmäßig zurück und bin ein bekennender Dubai-Fan. Mich haben von Beginn an die Dynamik, die verrückten Ideen und die Atmosphäre beeindruckt. Es wurde nicht nur geredet und geträumt, Visionen wurden in atemberaubender Geschwindigkeit umgesetzt. Die Aufbruchsstimmung und Chancen, die sich zwischen 2003 und 2008 hier boten waren einzigartig. Inzwischen bin ich über 12 Jahre hier, es ist mein zu Hause geworden. Ich habe Freunde gefunden, fühle mich sicher, die Infrastruktur ist fantastisch, die Lebensqualität hoch. Wo sonst auf der Welt kann man ruhig am Meer und doch mitten im Trubel einer Metropole leben? Es ist eine junge, dynamische Stadt mit kreativen Menschen, die sich ständig verändert, die inspiriert, herausfordert, sich täglich neu erfindet und deswegen nie langweilig wird.

Danke für dieses Gespräch.


Das wird nicht unsere letzte Begegnung mit Berit Paton Reid sein. Es ist ein Genuß, mit der sympathischen Erzählerin zu reden und sich auf einer Wellenlänge wiederzufinden; in einer Zeit der scheinbar allgegenwärtigen Oberflächlichkeit nachgerade ein Balsam. 

Wir haben das Buch - im echten Sinne des Wortes „buchstäblich“ - verschlungen.

Classy Dubai wird den Weg von Berit und ihre nächsten Bücher gerne verfolgen.

Sie hat etwas zu sagen.


Am 9. Dezember bietet sich diese Gelegenheit auch unseren Lesern. Die Autorin (Webseite/Buch kaufen) wird am Treffen der Deutschsprachigen der nördlichen Emirate in RAK teilnehmen und ihr Buch signieren. (9. 12. 2015, 19.00 Uhr, Cove Rotana Resort, Ras Al Khaimah)


Berits Webseite: http://www.beritpatonreid.com/ 


Bericht: Marlamaria

Fotos: Paule Knete für Classy Dubai


Wir freuen uns, wenn Sie uns schreiben an marlamaria@classy-dubai.com oder uns anrufen. Von 6 bis 13 Uhr deutscher Zeit sind wir auch tel. erreichbar unter  +971 52 6878 839. Wir sind werbefrei, Sie helfen uns einfach indem Sie uns auf den Buttons unten liken und weiterempfehlen.


Folgen Sie "Classy Dubai" auf

Instagram @dubaiclassy

Pinterest @classydubai

Facebook https://www.facebook.com/classydubaiblog

Twitter @classydubai


Paule Knete

Paule Knete's World of Pictures