Vom Kilimandscharo und den Herausforderungen der Ebene

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Der Stammhalter war bereits unterwegs, als sein Vater, Niels Siegel, sich auch auf den Weg machte; in große Höhen, auf den Kilimandscharo. Heute können wir zugleich zur Geburt von Eliah gratulieren und über die Herausforderungen des Lebens als Manager in Dubai reden.


Wie kamst Du auf die Idee, Dich allein auf zum Kilimandscharo zu machen?

Die Idee stammt von meinem Freund Frank. Wir haben immer über den Wunsch gesprochen, einen Berg zusammen zu besteigen. Nach drei Jahren Reden beschlossen wir Nägel mit Köpfen zu machen: 2015 ist unser Jahr, wir besteigen den Kilimandscharo. Mit drei weiteren Freunden trafen wir uns Anfang des Jahres zur Planung. Du musst dich ja sehr gut vorbereiten. Doch dann kamen monatsweise Absagen. Frank und ich blieben schließlich übrig. Und dann wurde er im Sommer in Deutschland krank und musste sich einer Operation unterziehen. Nun stand ich Ende Juli plötzlich ganz allein da. Was nun, abblasen? Doch ich hatte mich seit Januar fit gemacht, da hab ich gesagt, jetzt zieh ich das durch. Es war bei mir reinweg der sportliche Ansporn. 

Wie hast Du Dich vorbereitet?

Ich hab langsam angefangen. Ich bin zweimal die Woche ins Gym gegangen, einmal in die Spinning class, bin im Gym sehr viel auf dem Laufband bergauf gegangen, die höchste Steigung. Immer um die 6 km, um Oberschenkel- und Kniemuskulatur aufzubauen. Weil das Bergablaufen einfach meine größte Befürchtung bei dem Projekt war. Ich hab nie gezweifelt, es nach oben zu schaffen, aber bergab davor hatte ich wegen der Knie doch Angst. Leider bestätigten sich später diese Befürchtungen. Ich hatte den Muskelkater meines Lebens und bedenkliche Knieschmerzen.


Es kam der Tag der Abreise, als wo Du wußtest, nun geht’s los und keiner meiner Freunde ist dabei. Wie war das Gefühl?

Als mir klar wurde, dass ich alleine gehe, war es erst mal eine große Enttäuschung, weil ich das gern mit einem Freund zusammen machen wollte. Ich hatte mich inzwischen einer offenen Gruppe angeschlossen und dachte: OK, ich lerne neue Leute kennen, wenn die in Ordnung sind, kann das ja auch interessant werden. Am Tag des Abfluges selbst war ich entspannt, für mich gab es jetzt kein zurück mehr.


Foto: Niels Siegel privat

Muss man sich anmelden für den Aufstieg auf den Kilimandscharo?

Ja.  Es gibt erstaunlich viele Organisationen bei denen man sich anmelden kann. Die Tour auf den Kilimandscharo ist schon sehr populär mittlerweile. Es gibt offene und geschlossene Gruppen, unterschiedliche Touren und Zeiträume. Auf den Gipfel führen schließlich vier, fünf verschiedene Routen.



Verschiedene Wege bedeuten auch verschiedene Schwierigkeitsgrade?

Eher nicht, von der Geschwindigkeit her sind sie gleich. Gerade in den offenen Gruppen gehst du mit einem Führer und die möchten auch so viele Teilnehmer wie möglich auf den Gipfel bringen. Die wissen genau, wie schnell man laufen muss, damit der Körper sich am besten akklimatisiert und man eben keine Höhenkrankheit kriegt, die ist das größte Risiko. Immerhin marschiert man täglich schon acht Stunden im Schnitt und das ist schon ziemlich anstrengend.


Wie lange braucht es für den Aufstieg und für den Abstieg?

Für den Aufstieg 5,5 Tage und für den Abstieg nur 1,5 Tage.


Auf dem Weg nach oben, gab es Momente wo Du gesagt hast, ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, wieso hab ich das gemacht?

Am finalen Tag gab es so einen Augenblick, wo ich wirklich vollkommen erschöpft war. Ich war zu dick angezogen, mein Körper überhitzt. Wenn man losgeht, um Mitternacht fängt man mit dem Aufstieg an, herrschen noch minus 15 Grad und es weht ein kühler Wind. Doch schließlich geht die Sonne auf und mit ihr steigen die Temperaturen. So kam der Punkt, da konnte ich nicht mehr und musste erst abkühlen. Nach einem Energiedrink und 10 Minuten Erholung ging es aber wieder. Auch zwischendurch hat man solche Momente. Zwei Nächte hatte Schwierigkeiten zu schlafen, in diesem Zelt, auf dieser Isomatte, sehr unbequem im komplett geschlossenen Schlafsack. Es ist bitter kalt, Deine Arme liegen eng am Körper, und du hast alle Sachen an, eine Mütze auf und ein Tuch über Mund und Nase gegen die schneidende Kälte. Ich kam mir am dritten Tag wirklich zermürbt vor, weil ich halt kaum geschlafen hatte. 


Wie ist denn die Stimmung innerhalb einer solchen Gruppe? Ich kann mir vorstellen, dass am Anfang noch viel redet wird und alles ist toll…

Unsere Gruppe wurde immer kleiner, am Ende waren wir dann nur noch zu zweit. Mit dem zweiten Mann hab ich mich super verstanden und wir haben oft lang zusammen gesessen und über Gott und die Welt geredet.

Gibt es gefährliche Wegabschnitte?

Du musst auch schon mal über Felsen klettern die nicht ohne sind. Doch es gab keine Situation wo man ums Leben kommen könnte. Aber man kann sich verletzen. Es ist dort ja kein fester Boden, sondern Geröll, ein Vulkan eben. Da kann man schon ganz schon runterrutschen oder sich auf den Hosenboden setzen.


Hat so eine Bergbesteigung auch etwas Beruhigendes? Geht man in sich?

Man hat viel Zeit nachzudenken. Du läufst ja viele Stunden. Bis zu einem gewissen Grad ist die Natur noch schön und du genießt das. Ab 3.800 Meter wird’s schließlich karg. Es ist sehr gut, dass man Zeit zum Nachdenken hat. Ich hab mich hin und wieder ertappt, wie ich über Unwichtiges aus der Vergangenheit nachdachte, aber nicht z. B. ob ich irgendetwas in meinem Leben ändern möchte. Ich hab mich dabei gut gefühlt.


Also keine Emotionen?

Oh doch. Ich bin oben angekommen am Gipfel dem Gilmen’s Point, bei 5675  Metern, man wandert dann noch am Krater oben lang bis  5895 Meter, dass dauert dann noch mal so 2 bis 2.5 Stunden.  Als ich diesen letzten Abschnitt geschafft hatte, war ich vollkommen erschöpft, wie noch nie in meinem Leben. Ich habe viel Sport getrieben, aber mich noch nie so verausgabt wie bei diesem Aufstieg. Hier kamen mir die Tränen. Die lange Vorbereitungszeit und dass ich es geschafft habe, das war schon ein sehr emotionaler Moment. Man wird unweigerlich emotional wenn man endlich da oben – buchstäblich auf dem Gipfel - angekommen ist.


Viel Zeit zum Genießen bleibt sicher nicht?

Du machst Fotos, genießt den Blick auf die Gletscher und dann geht’s auch schon wieder zurück. Es ist ein langer Tag, 22 Stunden unterwegs. Ich hatte auch das Gefühl, es war der längste Tag meines Lebens. Als ich endlich im Zelt lag war ich erledigt. An diesem Morgen  musste man mich zum ersten Mal wecken und ich hatte noch immer den Reißverschluß des Schlafsackes in der Hand – so wie ich eingeschlafen war. 10 Stunden in dieser Position durchgeschlafen. Nach noch einem ganzen Tag schier endlosen Bergablaufens endlich das Hotel. Dieses einfache Hotel erschien mir auf einmal wie der pure Luxus. So ändert sich die Sicht auf die Dinge.

Wird es eine weitere solche Challenge geben?

Ja, die gibt es. Ich bin vor einer Woche Vater geworden. Darin liegt mein, unser Fokus. Wir haben uns dieses Kind seit langer Zeit gewünscht und das ist für uns jetzt das Wichtigste. 

Eine Bergchallenge wird es wohl nicht wieder geben, aber man kann ja noch  andere verrückte Sachen im Leben machen; den Jakobsweg laufen oder den Weg des ersten Kreuzzuges der Kreuzritter - also nicht zu Pferd oder zu Fuß, aber auf dem Motorrad – nachzuverfolgen.


Du bist ja kein professioneller Bergsteiger, sondern Manager. Noch ein Bisschen etwas zu Deiner Person. Was hat Dich nach Dubai verschlagen?

Früher war ich bei Heidelberger Druckmaschinen Produktmanager. Auf einer Messe in Melbourne traf ich den Geschäftsführer von Technotrans Singapore, die gerade eine Niederlassung für Nahost planten. Ich bin ja zweisprachig aufgewachsen und spreche fließend arabisch. Ich hatte die notwendige Erfahrung mit Druckmaschinen und Technotrans beliefert Druckmaschinenhersteller mit den Peripheriegeräten, Kälteanlagen, Lackiersysteme, Wasseraufbereitungssysteme, Filtration...

Ich hab sehr an Heidelberg gehangen, war loyal zu meiner Firma. Einen Weg ins höhere Management gab es aber dort nicht und ich wollte mich aber auch weiterentwickeln. So bin ich mit Technotrans zusammengekommen und habe Technotrans Middle East aufgebaut.

Also kein gemachtes Nest...

Ich weiss noch genau wie ich am 19. Juli 2007 in Dubai gelandet bin, mit einem Koffer, meiner Tasche voller Arbeitsunterlagen und dem Laptop. Kein Hotel gebucht. Ich bin dann ins Palm Hotel gegangen. Das gibt es heute nicht mehr. Es lag hinter dem alten Hard Rock Café an der Sheikh Zayed Road, das es heute auch nicht mehr gibt. Zwei Monate Hotel, dann kam meine Frau nach. Das Abenteuer Dubai konnte losgehen.


Doch der Markt ist anders?

Ich habe hier bei Null angefangen, aufgebaut und vom ersten Tag bis heute schwarze Zahlen geschrieben, worauf ich sehr stolz bin. Es ist ein schwerer Markt. Der Mittlere Osten ist mit der Krise für uns, wie für so viele, eine Achterbahnfahrt gewesen. Wir hatten noch ehrgeizigere Pläne, aber die Druckindustrie – für die wir arbeiten - hat sich nicht entsprechend entwickelt. Heute haben wir große Anerkennung von unseren Kunden; für die Qualität und für den Service den wir liefern. Wir sind das führende Unternehmen auf diesem Gebiet, mit Niederlassungen weltweit, zeigen Kundennähe. Mittlerweile sind für alle Druckmaschinenhersteller Single Source Supplier. Das hat uns auch diesen Erfolg beschert, den wir weltweit genießen.

Bericht: Marlamaria

Fotos Kilimandscharo: Niels Siegel/privat

Fotos Niels Siegel: Paule Knete für Classy Dubai


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Paule Knete

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