Ramadan – die besondere Zeit

Kultur

Quelle: Fotolia/ Sophie James
Quelle: Fotolia/ Sophie James

Wie erleben wir Expats Ramadan in einem muslimischen Land?

Zeit der Ruhe, des Friedens und der Besinnlichkeit, Zeit Andere zu bedenken. Es kommt Ihnen bekannt vor? Wie Weihnachten? Weit entfernt. Es ist Ramadan (arab. „der heiße Monat“), der muslimische Fastenmonat. Nicht-Muslime, die in arabischen Regionen leben, kennen sich weitestgehend mit dem Fest aus. Andere haben davon gehört und bringen es nur mit Fasten in Verbindung.  Doch was ist Ramadan, wie leben die Muslime und wir in dieser Zeit und was gehört zum Ramadan?

Paule Knete für Classy Dubai
Ramadan-Deko in der Mall of the Emirates

Bedeutung des Ramadan

Einmal im Jahr ist Ramadan. Er verschiebt sich jedes Jahr ca. 10 Tage nach vorn. Vier Wochen lang fasten die Muslime. Am augenfälligsten: Wer fastet darf zwischen Sonnenauf- und -untergang keine Nahrung zu sich nehmen. "Beginnt und beendet das Fasten, sobald ihr die Mondsichel seht!" heißt es im Koran.

In diesen Stunden heisst es auch Enthaltsamkeit üben. Rauchen, Alkohol, Fluchen, Liebeleien, sämtliche Arten von Sünde sind in diesen Stunden nicht erlaubt. Wer jetzt den Kopf schüttelt, sollte dazu wissen, dass dies den Fastenden in dieser Zeit fühlen und erleben lässt, wie es armen Menschen geht, die kein Dach über dem Kopf haben und hungern müssen. In dieser Zeit wird Bedürftigen umso mehr geholfen. Für die Ärmeren werden vor „Labour-Camps“ (in denen die Gastarbeiter leben) und Moscheen in Zelten Speisen und Getränken bereitet, die von vielen Menschen gespendet werden.

Eine weitere Säule des Fastens ist die Bereinigung der Seele. Durch Beten sollen die Menschen wieder näher zu Allah gebracht werden und zueinander finden. 

Schwangere, Kranke und Kinder sind vom Fasten ausgenommen. Bis auf die Kinder, holen Schwangere und Kranke die Fastentage, nach Wegfall der Gründe, nach.

Das öffentliche Leben in der muslimischen Welt verläuft in ruhigeren Bahnen während Ramadan. Denn in dieser Zeit geht es um Glaube, Besinnung und ein großes Gemeinschaftsgefühl. Während des Fastenmonats sollte jeder Moslem einmal den Koran durchgelesen haben.


Moschee in Jumeirah Foto: Classy Dubai (C) 2015 Paule Knete/Classy Dubai
Moschee in Jumeirah Foto: Classy Dubai

Fastenbrechen / Suhoor und Iftar

Suhoor und Iftar sind die beiden Zeiten, zu denen gegessen werden darf. Suhoor ist die Mahlzeit am Morgen, vor Sonnenaufgang. Hier werden Speisen die viel Energie für den Tag liefern gegessen, wie Reis, Früchte oder Haferflocken.

Nach Sonnenuntergang beginnt das Fastenbrechen (Iftar). Es werden Datteln gegessen und Wasser getrunken. Hierzu beten die Muslime folgendes Gebet:

"O Allah, um Deinetwillen habe ich gefastet und an Dich geglaubt und mit Deiner Versorgung breche ich das Fasten. Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, des Gnädigen."

Danach wird das Abendgebet gesprochen und dann die eigentlichen Speisen gegessen. Diese bestehen meist aus Reis, Fleisch, Fladenbrot, Gemüse und sehr kalorienreichen Desserts. Gegenseitige Besuche und Einladungen zum Fastenbrechen sind an der Tagesordnung.

Ramadan und Familie

In der traditionellen arabischen Familie wird umfangreich gekocht. Es gibt eine große Auswahl an Speisen, da sich Familien und Freunde zum Iftar zusammen finden. Jeder bringt jedem Essen mit, auch die Armen werden bedacht. In der ersten Woche des Ramadan verbringen die Einheimischen meist im Familienkreis. Danach besuchen sich Freunde und Nachbarn gegenseitig.

Ramadan endet nach vier Wochen, dann wenn die Neumondsichel am Himmel gesichtet wird. Am ersten Tag danach beten frühmorgens alle Familien zusammen in der Moschee. Nach dem Gebet werden die Verwandten besucht. Kinder bekommen Geschenke oder Geld. Jeder kleidet sich neu ein. Drei Tage wird nun mit Familie und Freunden gefeiert, gegessen und getrunken.



Wir Expats mittendrin

In Deutschland kriegen wir vom Ramadan nicht viel mit. Beginnt Ramadan, wissen viele vielleicht nur, dass die Muslime nun für die nächsten Wochen fasten. Seit wir in Dubai leben, erleben wir Ramadan und verstehen wie wichtig dieses Fest ist und welche „Nebenwirkungen“ es hat.


Das Vorher

Die Auswirkungen des bevorstehenden Ramadan, spürt man schon Wochen vorher. Es gibt ein Leben vor und nach Ramadan. Vor Ramadan müssen noch viele Dinge erledigt werden wie Arzttermine oder das Auto in die Werkstatt bringen. Im Business werden länger anstehende Projekte auf die Zeit nach Ramadan verschoben. Denn während des heiligen Monats wird nur das Notwendigste erledigt, Strapazen vermieden. Alle Kräfte, Sinne und Gedanken sind auf Allah konzentriert.


Arbeiten

In den Emiraten verkürzen sich die Arbeitszeiten. Der Arbeitgeber muss die Angestellten, auch jene die nicht fasten, zwei Stunden früher gehen lassen. Dies ist gesetzlich festgelegt.

Alltagsleben

Die meisten Restaurants und Cafés sind bis zum Fastenbrechen am Abend geschlossen. Restaurants und Coffee-Lounges in Touristenhotels sind jedoch in der Regel geöffnet, wenn auch oft hinter Wänden und Vorhängen abgeschirmt. Doch auch keiner von uns nichtmuslimischen Einwohnern muss hungern. Der ohnehin weit verbreitete Lieferservice von McDonalds bis zum Sternerestaurant erlebt tagsüber einen Aufschwung. Essen, trinken, rauchen, selbst Kaugummikauen sind in der Öffentlichkeit allerdings streng verboten.


Ärzte bieten Ramadan-Sprechzeiten an. Sie fangen später an oder haben am Nachmittag geschlossen und arbeiten dafür bis spät in die Nacht.


Da hilft kein Kalender. Eid al Fitr, der Feiertag zum Ende des Ramadan, hängt von der Sichtung der Mondsichel ab. Sicher wäre es günstig zu wissen, um welchen Tag es sich konkret handelt - und zwar nicht erst am Abend davor.

Etwas Schönes ist es, zum Fastenbrechen in eines der vielen Iftar-Zelte zu gehen und die vielen Köstlichkeiten zu probieren. Es gibt eine riesige Auswahl von traditionell Arabisch bis hin zu ganz schick in den 5 bis 7 Sterne Hotels.


Verkehr

Gefährlich wird es unter Umständen auf den Straßen. Ramadan ist die Zeit der meisten Unfälle. Wir meiden die Hauptstraßen besonders zwischen 15 und 18 Uhr. Durch Durst und Unterzuckerung wird der ein oder andere doch gereizt oder ungeduldig, was sich dann im – ohnehin oft unlogischen - Fahrverhalten widerspiegelt.


Einkaufen

Für uns ist Einkaufen im Ramadan eine Wohltat. In den Malls herrscht auf einmal wohltuende Ruhe. Das allgegenwärtige Gedudel in den Shoppingcentern, Geschäften und Coffee-Shops, wo es manchmal bis zum markerschütternden Lärm geht, ist verstummt. Vormittags herrscht vergleichsweise Leere. Der Sturm bricht nach Sonnenuntergang los. Da haben die Malls bis 3 Uhr morgens geöffnet, sonst „nur“ bis 22 Uhr. Das Leben während dieser vier Wochen spielt sich nun mal erst am Abend bis spät in die Nacht ab.


Farhana Bodi/Instagram
Farhana Bodi/Instagram

Mode im Ramadan

Dies ist nun auch die Zeit in der sich ausnahmslos alle Damen zum Abendessen noch einmal mehr aufhübschen. Ob Muslima oder nicht, auch Nicht-Araberinnen nutzen besonders diese Zeit, sich ebenfalls in schöne Kaftane zu kleiden.


Die indischen oder arabischen Damen sehen noch orientalischer aus, gehüllt in die aufwändigsten und kosbarsten Roben und Gewänder, in denen auch sie sich vornehmlich auf Instagram präsentieren.



Spenden
Der zweite wichtige Bestandteil des Ramadan, das Spenden, spielt im Islam eine wichtige Rolle. Es gilt als Regel, dass ein gläubiger Muslim fünf Prozent seiner Ersparnisse für die Armen geben sollte. Neben der obligatorischen fünf Prozent-Spende (Zakāt), sind die Muslime angehalten mehr zu geben, sollte es ihnen möglich sein. Die Sonderspende wird Sadaqah genannt.)


Abgesehen von der Sommerhitze ist der Ramadan 2015 kein Grund, auf eine Reise nach Dubai zu verzichten.


Begriffe

Ramadan Kareem – Gesegneter Ramadan

Eid Mubarak – Alles Gute zum Fest

Eid Al Fitr – Fest des Fastenbrechens   

Iftar – Fastenbrechen am Abend

Suhoor – Frühstück vor dem Fasten

Sadaqah – Freiwillige Spende an Bedürftige



Text: Marlamaria

Fotos: Classy Dubai/Paule Knete


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