Das Beispiel vorleben...

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Heike Lieb-Wilson  (C) 2015 by classy-dubai.com

Über hohe Ansprüche, Vorbildrolle und Aufräumen

Interview mit Heike Lieb-Wilson, Executive Director Retail Property in "d3"

Teil 2 unseres Berichtes über „Dubai Design District“

Mich interessieren die Menschen hinter den Erfolgen. Heike Lieb-Wilson ist als Direktorin verantwortlich für den Aufbau des Retailbereiches im Dubai Design District „d3“, dem neuen spektakulären Drehkreuz für Designer und ihre Kunden aus aller Welt. Für Classy Dubai habe ich eine außergewöhnlich kompetente Frau - trotz allen Erfolges von bemerkenswerter Natürlichkeit - interviewt.


(c) 2015 classy-dubai.com
Dubai Design District

Was können sich unsere Leser in Deutschland unter d3 vorstellen?

Ein Fashion- und Design Zentrum und das in Gestalt einer „Freezone“. "d3" gehört zu TECOM/Dubai Holding und entsteht damit im weiteren Sinne unter dem Schirm von HH Scheich Mohammed Bin Raschid Al Maktoum . Der Plan war von Anfang an, daß etwas mit diesem ungewöhnlichen Konzept an die Community zurückgegeben wird. Ein Ort für Talente, ein Platz an dem sie sich zusammenfinden. Ideen, Design, Produktion und Verkauf an den Endverbraucher. Wo gibt es das sonst alles an einem Standort: Innovation und Retail. Die kreative Community findet hier alles was man zum Arbeiten und zum Leben braucht. Dafür ist der Container Cluster „Hai d3“ (حي, arabisch für „Nachbarschaft“)  gebaut worden, um frühzeitig zu zeigen wie Phase 1 des Projektes sein wird.


Was ist dieses „Ungewöhnliche“, verglichen mit anderen Freezones?

Es gibt sogar zwei Alleinstellungsmerkmale. Wir sind einerseits unter den zahlreichen Freezones die einzige in der man sowohl mit Lizenzen des Dubai Economic Department als auch mit Freezone-Lizenzen gründen, mieten und arbeiten kann. Der Vorteil der Freezone-Lizenz ist ja die 100% Eigentümerschaft durch den ausländischen Gründer. Zweitens ist „d3“ die einzige Freezone die B2C ermöglicht, Geschäft mit Endkunden.


Wann startet „d3“, wann ziehen die Kunden ein?

Zwei Gebäude (s. Foto oben rechts) sind bereits an die Mieter übergeben, einige haben schon vor Wochen mit der Ausstattung begonnen. Die anderen kommen peu a peu dazu, Mitte des Jahres werden schon schätzungsweise 6000 Menschen hier arbeiten.

Das Tempo ist enorm…

Das ist es ja was Dubai ausmacht. Das Event "Meet d3" tat da ein Übriges. „Meet d3“ war das erste Mal, dass die Dubai Community „d3“ fühlen, anfassen und sich buchstäblich ein Bild vom ganzen Komplex machen konnte. Wir waren im Radio jeden Tag, in den Zeitungen, in den sozialen Netzen. Erst mit „Meet d3“, heute sind wir es mit dem ganzen Projekt. Viele Besucher kamen auch, die den Mietvertrag schon abgeschlossen haben, denn zum ersten Mal konnte man alle Teile des Districts zusammengefügt sehen. Es war ein tolles Erlebnis, wir hatten über 30.000 Gäste. Die Resonanz war enorm, wie man alleine an den Posts in den sozialen Netzen sehen kann. Und natürlich an der Unterstützung durch Sheikha Latifa, die uns besuchte.


„d3“ ist ja nicht nur ein Brennpunkt für die Mode…

„d3“ hat gar nicht mal hauptsächlich etwas mit Mode zu tun. Die ursprüngliche Idee kam natürlich aus der Fashion, aber wir haben uns gefragt was alles "Design" ist. Das kann Mode sein, aber auch Möbel, Licht, Kunst…. Es gibt da keine Grenze. Natürlich ist Mode ganz essentiell, Hugo Boss zum Beispiel zieht hier ein, da wird es natürlich nach „Modehaus“ aussehen, aber an anderen Stellen haben wir Architekten, Innovationsbüros, Ateliers, Art Dubai. Wir sprechen mit anderen Kunstinstitutionen…


Liste der Retailangebote
Liste der Retailangebote

Du verantwortest ja den Retailbereich….

Da haben wir die ganze Palette abgedeckt. Wir haben auch den öffentlichen Service bis hin zum Public Notary (Notariat), Dewa (Strom/Wasser-Betriebe), Visaangelegenheiten, alles in Building 3 unter einem Dach. Niemand muss von A nach B fahren….  Eine weitere Besonderheit: Auch die Behörden sind alle zugänglich für jedermann, nicht nur die Unternehmen der Freezone. Jeder Expat kann seine Sachen hier - alles aus einer Hand – erledigen. Das ist durch die Nähe zu Downtown für die Einwohner dort auch sehr interessant und bequem. Doch man braucht ja mehr, deshalb haben wir einen kleinen Supermarkt, eine Reinigung, einen Schuhreparaturdienst, Apotheke. Wir wollen, dass die Menschen die hier arbeiten alles hier erledigen können. So sieht unsere Service, unsere Kundenorientierung aus. Auf der anderen Seite der Gebäude – in Richtung der „Creative Community“ (Phase 2) werden die Galerien liegen…. Sehr präsent.


Apropos Kundschaft.. Wie sieht die Parkplatzsituation aus?

Es gibt ausreichend öffentliche Parkplätze im Freien und underground parking für die Mieter.


Zum Erlebnis gehört ja immer auch die gastronomische Seite. Wie kreativ seid ihr da?

Wir wollen Außergewöhnliches bieten und stellen deshalb sehr hohe Ansprüche, gehen selektiv vor. Wir haben trotzdem oder gerade deshalb 400 Anträge für unsere 30 F&B-Flächen gehabt. Auch hier gilt unser Ansatz: Ein neues spezifisches Konzept, auch wenn man schon im Markt mit einem Konzept ist; für „d3“ muß etwas Spezielles her. Bloß keine Massenware. Wir haben neue Konzepte aus dem Libanon, aus Großbritannien, aus den USA…

…. aus Deutschland?

Nein, leider nicht….. Dabei sind wir für alles offen. Ein Beispiel. Wir wollen ja auch die Verweildauer der Besucher in „d3“ erhöhen und haben mit Art Dubai eine Ausschreibung für außergewöhnliche Sitzbänke gemacht. 125 Entwürfe gingen ein.

Einem Gastronom haben wir empfohlen, dieses kreative Potential für die Gestaltung seines Restaurants zu nutzen. Das wurde ohne zu zögern aufgenommen. Die Menschen hier sind unserer Idee gegenüber sehr aufgeschlossen und begeisterungsfähig. Das gilt ausnahmslos, auch für Big Player.


Wir groß muß meine "Performance" sein, um in „d3“ einziehen zu können?

Unser Bestreben ist es, genau diese Hemmschwelle zu senken. Wir nehmen den Existenzgründer an die Hand und erklären jeden Schritt, dann ist er bei uns sicher aufgehoben. Alles aus einer Hand, 360 Grad. Wir schreiben nichts vor, sondern geben im Gegenteil viele Optionen. Das ist einzigartig. Sie können testen „Wie funktioniert meine Idee, wie reagiert der Endverbraucher?“ Sie können mit uns wachsen - innerhalb des Districts.


Existenzgründung heißt Businessplan, Visaanträge, Beurkundungen, Bankgespräche und…. wo bekomme ich die konkreten Informationen?

Wir haben eine selbsterklärende Webseite mit allen notwendigen Auskünften geordnete nach DED oder Freezone Lizenz. Da lässt sich alles Schritt für Schritt nachlesen, inkl. der jeweils erforderlichen Papiere.


(c) Dubai Design District
Die drei Bauphasen - Dubai Design District

Wie sieht „d3“ im Ganzen aus?

Wir befinden uns jetzt in Phase 1. „Creative Community” Phase 2 kommt 2017. Geplant ist dann Phase 3 Waterfront. Das alles kann man im Plan (links) sehen. Wir werden Hotels haben, nicht notwendigerweise Hotelketten, wir gehen wie erläutert nach Konzept. Es wird Veranstaltungsorte wie ein Amphitheater geben, mit Kapazitäten wie sie Dubai noch nicht hat. Das alles an der Wasserseite mit einer Marina, sodass auch die Aktivitäten in dieser Richtung möglich sind.


Das ist die Außenansicht…

Wir wollen auch die Verweildauer erhöhen, die Menschen sollen sich hier erholen, auf Bänken verschnaufen, wie ich schon erwähnt habe. Auch das Design der Lobby der Gebäude wird ausgeklügelt sein. Die Kandelaber sind aus handgearbeitetem Glas, speziell für „d3“ entworfen. Wir haben praktisch für jede Sektion einen anderen Designer. Eigentlich versuchen wir die Besten zu finden und mit ihnen zu arbeiten.


Hier scheint Euer Schlüssel zum Erfolg zu liegen?!

Jeder Vermieter versucht an Mieter zu kommen, wir haben da keine Probleme. Wir sind da in einer glücklichen Lage. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Doch wir halten immer Platz bereit für besonders innovative Konzepte, die man mit oder in „d3“ umsetzen möchte.


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Inmitten der Container von "Hai d3"

Ich will wissen, wer die Frau mit dieser Riesenmission ist.


Seit wann bist Du in Dubai?

Seit Ende des Jahres 2014 bin ich hier.


Was sind Deine konkreten Aufgaben?

Als Executive Director Reatil Property bin ich verantwortlich - durch die Bank weg - für den Aufbau des Retailsektors im gesamten District. Das ist eine große Aufgabe; innerhalb der TECOM gab es keinen Experten für Retail mit internationalem Background, der von Null aufbauen konnte. Dr. Amina Al Rustamani, die Group CEO von TECOM, hat außerhalb der Emirate nach jemandem gesucht, der diesen Background mitbringt, für die Gestaltung und Entwicklung von Grund auf: Leasingverträge, Mix, Allokation, Gewichtung der Segmente, Aufteilung innerhalb der Gebäude, Rating/Scoring für die Konzepte, Aufbau von Team und Infrastruktur, Aufbau von Reporting Tools.


"Ich hatte schon Bedenken, als alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, in ein arabisches Land zu gehen." sagt Heike und der berechtigte Stolz auf die eigene Entscheidung, aber auch auf ihre zuverlässigen, sie unterstützenden Kinder, schwingt deutlich mit. "Ich habe mich dafür entschieden und der Erfolg gibt mir Recht."


Woher hast Du all die Erfahrungen?

Ich bin ausgebildete Bankerin, habe aber aus Liebe zur Fashion seit ich 16 war immer in der Modebranche nebenher gearbeitet. Schließlich habe ich mich aus dem Bankwesen gelöst und mit 25 Jahren mit eigener Boutique selbständig gemacht. Dann habe ich für viele internationale Marken gearbeitet - darunter Cerruti 1881, Stefanel, Porsche Design, Gucci, Escada – und Retailkonzepte und strategische Planung weltweit. Ich war u a. in New York, dann folgten Managementaufgaben in Outlet Village Maasmechelen in Belgien und Metzingen in Deutschland. Ich bringe also Finanzexpertise, Markenwissen und Erfahrung im Mall Management mit.


Wie sieht Deine Freizeit aus? Gibt es schon einen Lieblingsplatz in Dubai?

Mein Lieblingsplatz ist zuhause. Ich stehe den ganzen Tag unter Hochdruck, meine Entspannung sind meine Kinder, wir gehen regelmäßig an den Kite Beach oder den Strand in Jumeirah. Ich arbeite unter der Woche hart und versuche, am Wochenende für die Familie da zu sein. Wir sind eng als Familie. Meine Kinder haben sich gut in Dubai eingelebt. Sie sind immer bei mir gewesen; auch in New York, dann in Belgien, wo sie die Schule in flämisch und französisch hatten. Dann über Deutschland weiter nach Dubai. Bei allem Stress, wer hat das schon, vom Flieger aus Deutschland kommen und gleich an den Strand gehen. Sie wissen das zu schätzen. Es ist ein besonders Leben, nicht alltäglich, keine Normalität. Das Wetter lädt stets ein rauszugehen, schwimmen zu gehen. Man lebt intensiver. Schon die Sonne ist gut für die Seele. Das Bewusstsein dafür muss man sich erhalten.



Was inspiriert Dich?

Schwierige Frage. Menschen inspirieren mich. Das Leben in einem Land mit 85% Ausländern ist eine ganz andere Sache. Man geht natürlich miteinander um. Auch mein Team ist wie eine Familie. Egal zu wem du kommst, jeder hilft dir. Ich bin positiv und offen, bin inspiriert wenn ich helfen kann. Darüber nachzudenken. Ich lebe sehr bewusst, bin inspiriert durch einen Sonnenuntergang. Ich bekomme so viel innere Befriedigung durch die Arbeit. Meine wunderbaren Kinder inspirieren mich.


Hast Du ein persönliches Lebensmotto?

Was du anderen Gutes tust, kommt zu dir zurück. "What goes around, comes around." Und Life by example. Das Beispiel vorleben. Das wissen meine Leute. Als das große „Meet d3“-Wochenende vorbei war, bin ich am nächsten Tag durch den District gelaufen und habe die leeren Plastikflaschen und -tüten aufgesammelt. Die Leute wollten mir helfen. Der Anblick war ja für Dubai-Verhältnisse echt verwunderlich, doch schließlich haben die Mitarbeiter selber angefangen. Natürlich musste ich das nicht tun. Ich kann ja Weisung erteilen an andere. Doch das ist keine Vorbildfunktion. Und schon gar nicht bin ich das. Von dem was ich als Manager vorlebe versteht das Team, dass es mir am Herzen liegt und in unser aller Interesse ist.


Liebe Heike, ich danke für das Gespräch. Wir werden Deinen Weg und die Geschichte des Dubai Design Distric weiter begleiten.


Wird fortgesetzt.

Text: Marlamaria

Fotos: (c) 2015 Classy Dubai

Grafiken: Dubai Design District


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